Die Entstehung

Als Ende der Sechziger-Jahre der Stadtteil Buch entstand, war abzusehen, dass keine ausreichenden Spielmöglichkeiten für die vielen Kinder zur Verfügung stehen würden.

Aus diesem Anlass bildete sich eine Elterninitiative aus anfangs ca. fünfzehn Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Bietigheim, die eine Verbesserung der Spielsituation im schnell wachsenden Stadtteil Buch anstrebten.

So wurde im Dezember 1969 der Verein „Bürgeraktion Robinsonspielplatz Bietigheim e. V." gegründet. Ein Jahr später stellte die Stadt Bietigheim dem Verein ein ca. 100 Ar großes Gelände als Spielplatz zur Verfügung, das bis heute - nun schon 40 Jahre lang - als betreuter Abenteuerspielplatz genutzt wird. Damit ist der Robs, wie er liebevoll von den vielen Kindern genannt wird, heute einer der ältesten Abenteuerspielplätze in Deutschland. Zum Robinsonspielplatz gehören ferner, direkt angrenzend, noch ca. 5000 qm Wald.

Der Robinsonspielplatz erhielt wegen seiner vorbildlichen Leistungen im Bereich der freien Kinderbetätigung auch hohe Auszeichnungen wie z. B. :

• „Macht Kindern nicht das Leben schwer" / vorbildliche Bürgerinitiativen in

   Baden-Württemberg 1976/77


Die Gründer wollten aber nicht nur Spielangebote im Freien schaffen, sondern zusätzliche Spielmöglichkeiten in geschützten Räumen bieten. Deshalb wurde auf dem Platz ein Holzhaus erstellt, das jedoch nach kurzer Zeit aus ungeklärten Gründen einem Brand zum Opfer fiel.

Einige Monate später wurde das heute noch benutzte ca. 100 qm große neue Spielplatzhaus aus vorgefertigten Betonteilen errichtet. Dort finden die Kinder einen sehr großen Gruppenraum zum Basteln und Spielen und Essen, eine voll eingerichtete Küche, moderne Toiletten und ein Büro.



Der Verein

Der Trägerverein des Abenteuerspielplatzes ist privatrechtlicher Art. Der Verein zählt heute über achtzig Mitglieder. Sein Vorstand besteht aus dem ersten und dem zweiten Vorsitzenden, dem Kassierer, dem Schriftführer und dem Pressewartsowie einem fünfköpfigen Ausschuss. Alle Vorstands- und Ausschussmitglieder arbeiten ehrenamtlich. Der jährliche Mitgliedsbeitrag beträgt zur Zeit € 30,--.

Der Platz steht allen Kindern kostenfrei zur Verfügung!

Die Themenwochen über Afrika und den faszinierenden Orient mit phantasievollen Tanzdarbietungen waren besonders große Erfolge. Ein- bis zweimal im Jahr veranstaltet der Robinsonspielplatz in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum gemeinsame Aktionen für Kinder. So wurden z. B. Häuser der mittelalterlichen Innenstadt im Kleinformat nachgebaut oder Gendarme jagten Räuber im „Brandholz", dem an den Robs angrenzenden Wald.

Auch die Verbindungen zu den Schulen und Kirchen werden weiter ausgebaut, darunter auch einer Schule für geistig und körperlich behinderte Kinder.


Die Zukunft

• Werkstatthaus: Ein drei Generationen überschreitendes Projekt in

   Zusammenarbeit mit den aktiven Senioren (2000 / 2001)

• Theatergruppe: Projekt mit Eltern und Kindern (2000 / 2001)


Die finanzielle Lage

Um den Robinsonspielplatz für die Kinder zu erhalten, sind wir natürlich auf Spenden angewiesen, da Vereinsbeiträge und Zuschüsse der Stadt bei weitem nicht ausreichen.

Auch Flohmärkte bringen nicht die notwendigen Beträge zusammen, was die Vergangenheit bereits mehrfach zeigte.


UNSERE VISION IST ES...

ein Abenteuerspielplatz zu sein,

der Kindern und Eltern wichtig ist

den Kinder und Eltern häufig besuchen

für den Kinder und Eltern selbständig

Verantwortung übernehmen.


UNSER ABENTEUERSPIELPLATZ - HEUTE WICHTIGER DENN JE

Die gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat zu einer Situation geführt, die die Kindheit verändert hat und die kindliche Entwicklung in allen Bereichen beeinflusst. Der ständig wachsende wirtschaftliche und technische Fortschritt hat zu einer Technisierung aller Lebensbereiche geführt, welche entscheidende Auswirkungen auf das Kindsein in unserer Gesellschaft hat.

Die Freizeit unserer Kinder wird durch den Medienkonsum (Fernsehen, Video, Computer, Comics, ...) dominiert. Damit haben sie auch ohne langfristige Lernprozesse Zugang zur Erwachsenenwelt. Die Möglichkeiten, selbst Erfahrungen zu sammeln, werden geringer.

Durch das Leistungsprinzip in der Schule lernen die Schülerlnnen, dass das was sie tun müssen, Erfolg und Anerkennung bringt und das, was sie tun wollen, ohne wirkliche Bedeutung ist. Die Schüler und Schülerinnen entdecken und gewöhnen sich daran, dass eigene Bedürfnisse und Regungen oft unerwünscht sind; sie entwickeln die Fähigkeit, sich regelgemäß zu verhalten, eigene Bedürfnisse und Ideen, spontanes Erstaunen und Selbständigkeit zurückzudrängen. Durch diesen Regelzwang und der Angst vor dem Fehler, bleiben Neugier, intelligentes Problemlösen und Befriedigung an der Sache auf der Strecke.

Insbesondere im Stadtteil Buch, in dem viele Familien in sehr enger Nachbarschaft zusammenleben müssen, sind soziale Probleme vorprogrammiert. Nicht zuletzt auch, weil es an ausreichenden Freizeiteinrichtungen und Spielmöglichkeiten fehlt. Der Robinsonspielplatz bietet den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, aus den Betonwänden zu entfliehen, um für ein paar Stunden eine "andere" Welt zu erleben.


UNSERE LEITLINIEN

All diese Veränderungen der Gesellschaft setzen den Bedürfnissen unserer Kinder zu enge Grenzen und führen oft zu einer Vernachlässigung dieser Bedürfnisse, denn

• Kinder wollen mit anderen spielen und sprechen

• Kinder wollen als Partner und in ihren Fähigkeiten ernst genommen werden

• Kinder wollen Zuneigung und körperliche Zuwendung spüren und zeigen

• Kinder wollen sich bewegen, toben und Krach machen

• Kinder wollen verändern

• Kinder brauchen eine Umwelt, in der sie Platz und Material haben, um schöpferisch

   und mit anderen Kindern spielen zu können

• Kinder brauchen das Verständnis der Erwachsenen, die sich für die Interessen der

   Kinder und für ausreichend Spielmöglichkeiten einsetzen, da sie selbst dazu nicht in

   der Lage sind.

Wenn unsere Kinder all das nicht oder nicht genügend bekommen, werden sie in ihrer körperlichen, seelischen, geistigen und sozialen Entwicklung beeinträchtigt.

Der Robinsonspielplatz hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, mit seinen Angeboten Hilfen zur Entwicklung der individuellen Persönlichkeit und Freiheit der Kinder zu geben; unabhängig von wirtschaftlichen und sozialen Voraussetzungen.

• Abbau der Konsumorientierung - selbst schöpferisch tätig zu werden und aus wenig
   etwas herzustellen, oder einfach etwas Spannendes tun macht Kinder im
   allgemeinen langfristig zufrieden und motiviert sie zur eigenständigen
   Weiterentwicklung.

• Übermäßige Aggressionen abbauen - sie können ausgelebt, umgelenkt oder
   kompensiert werden, aber Fairness soll dabei gewährleistet sein.

• Kontaktfähigkeit - mit einzelnen und Gruppen spielend Beziehungen knüpfen,
  der Platz als Treffpunkt. Es wird im Team gearbeitet und Projekte werden
  gemeinsam realisiert.

• Demokratisches Verhalten üben - sich mit anderen Meinungen und Interessen
  auseinander setzen, argumentieren, solidarisch handeln, sich tolerant verhalten,
  kritisch Stellung nehmen, eigene Interessen vertreten, Einfluss nehmen, Verantwortung
  übernehmen. Dabei auftretende Konflikte sollen fair und angemessen ausgetragen
  werden.

• Überwindung sozialer Barrieren - Vorurteile abbauen, andere Gruppen kennen lernen. Generationen und Bevölkerungsschichten können sich kennen lernen und miteinander arbeiten, feiern und gemeinsame Aktivitäten entwickeln.

Dabei werden die Kinder im wesentlichen zwar sich selbst überlassen, aber nicht allein gelassen. Unser Betreuerteam greift dann ein, wenn Hilfe erforderlich ist.


UNSERE PÄDAGOGISCHE ZIELSETZUNG

Die pädagogische Zielsetzung der Arbeit auf dem Robinsonspielplatz ist, die Entwicklung folgender Eigenschaften und Fähigkeiten unserer Kinder zu fördern:

Kreativität - die vielfältigen Möglichkeiten des Spielplatzes fordern die Kinder zum Probieren, Entdecken, Experimentieren heraus. Veränderungen werden geplant und durchgeführt. Improvisation ist gefragt und Phantasie wird umgesetzt.

Aktivität und Kooperation - selber aktiv werden, sich selbst eine Aufgabe stellen, selber die Initiative ergreifen. Erkenntnis entwickeln, dass durch gemeinsame Zusammenarbeit und Hilfe größere Aufgaben schneller und einfacher gelöst werden können.

Sensibilität - intensives, sinnliches Wahrnehmen und Erleben und Offenheit für alles, was um einen herum geschieht. Der Umgang mit Erde, Feuer, Wasser, Pflanzen und Tieren ermöglicht direkte Erfahrungen mit Natur und Umwelt.

Selbstbewusstsein - Erfolgserlebnisse und Bestätigung steigern das Selbstvertrauen, der Umgang mit "gefährlichen" Dingen gibt Selbstsicherheit und fördert die Entwicklung des Selbstbewusstseins.

Körperlich und handwerkliche Geschicklichkeit - Laufen, Rennen, Klettern, Hangeln, Balancieren, ... ermöglichen Körpererfahrungen, die in unserer heutigen Welt nach und nach verloren zu gehen drohen. Beim Werken, Basteln und Bauen können handwerkliche Fertigkeiten und Fähigkeiten erlernt und geübt werden.


Aufgaben und Ziele

Der Robinsonverein sieht es als seine Aufgabe an, Kindern die Möglichkeit zu geben, sich auf dem Abenteuerspielplatz frei zu bewegen und herum zu toben.

Unsere Kinder leben in einer Welt, die vorwiegend von Erwachsenen für Erwachsene gestaltet ist. Elternhaus, Schule und Umwelt setzen den Bedürfnissen der Kinder oft sehr enge Grenzen.

Durch den herrschenden Leistungs- und Termindruck, sowie der daraus resultierenden eingeschränkten Freizeit heutiger Kinder wird ein großer Teil ihrer Bedürfnisse sogar vernachlässigt, werden ihnen Erfahrungen vorenthalten und ihr Verlangen nach Selbstverwirklichung zu sehr eingeschränkt:


• Kinder wollen sich bewegen, toben und Krach machen,

• Kinder wollen spielen und sich mit Gleichaltrigen austauschen,

• Kinder wollen als Partner ernst genommen und in ihren Fähigkeiten
  bestätigt werden,

• Kinder wollen Zuneigung und körperliche Zuwendung spüren und zeigen,

• Kinder wollen verändern,

• Kinder wollen selbst entscheiden und nicht immer bevormundet werden,

• Kinder brauchen eine Umwelt, in der sie Platz und Material haben, um
   schöpferisch und kreativ tätig werden zu können,

• Kinder brauchen das Verständnis der Erwachsenen, die sich für deren
   Interessen einsetzen, da diese oft selbst nicht in der Lage dazu sind.

Wenn Kinder nicht bekommen was sie brauchen, werden sie in ihrer körperlichen, seelischen, geistigen und sozialen Entwicklung beeinträchtigt.

Die Betreuung der Kinder erfolgt durch pädagogisch geschulte Fachkräfte. Das Betreuerteam des Platzes setzt sich heute zusammen aus der Spielplatzleiterin und den Teilzeitbetreuer/innen. Unterstützt wird das Team durch zeitlich befristete Arbeitskräfte und ehrenamtliche Helfer.

Lisa Heydt, unser Ehrenmitglied, pflegt und hegt alle Robs-Tiere schon über dreißig Jahre.

Ziel pädagogischer Bemühungen auf dem Robs ist es, mittels diverser Angebote Hilfen zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit und Freiheit der Kinder zu geben, unabhängig von wirtschaftlichen und sozialen Voraussetzungen:


• Entwicklung eigener Ideen,

• Förderung der Kreativität,

• Knüpfen und Pflegen von Freundschaften,

• Konfliktbewältigung, -

• Kooperationsbereitschaft und Fähigkeit.


Die Angebote und Aktivitäten

Das breitgefächerte Angebot des Robinsonspielplatzes wird von den Kindern aus der nächsten Umgebung, aber auch aus anderen Stadtteilen und sogar zunehmend von auswärtigen Kindern wahrgenommen. In den Wintermonaten besuchen durchschnittlich fünfzehn bis zwanzig Kinder pro Tag den Platz, in den Sommermonaten sind es durchschnittlich fünfundzwanzig bis dreißig Kinder, an Spitzentagen über vierzig täglich.

Das Repertoire des Abenteuerspielplatzes hat sich im Laufe der Jahre nicht wesentlich gewandelt. Es ist auch heute sehr breit gefächert und reicht vom großen Bastelangebot über Spiele und sportliche Angebote wie Tischtennis, Dart, Basketball sowie unser Jakolo, das mit den Kindern gebaut wurde. Jahreszeitlich abgestimmte Feste stellen immer wieder ein willkommenes Highlight für die Kinder dar.

Auch Fußball wird auf dem nahe gelegenen Fußballfeld gespielt.

Einfache Spielgeräte wie Schaukel, Federball, Stelzen, Tischfußball, etc. sind auf dem Platz. Das Schwimmbecken mit Rutsche hat im Sommer Hochbetrieb.

Neben Fahrradtouren und Ausflügen zu interessanten Zielen wie z. B. zu einem Bauernhof, zum Schloss Monrepos oder der historischen Altstadt Bietigheims werden auch Übernachtungen in Zelten mit Lagerfeuer auf dem Robs angeboten.

Die Möglichkeit, sich ein kleines Reich zu schaffen, bietet der Bau einer Holzhütte. So können Kinder selbst ihre Umwelt schöpferisch gestalten und erlangen dabei gleichzeitig unter der Anleitung der Betreuer handwerkliche Fähigkeiten.

Im Werkzeugmagazin stehen ihnen die notwendigen Geräte und Werkzeuge sowie Nägel, Hammer und Draht zur Verfügung.

Auch der Garten wird mit den Kindern gepflegt oder teilweise neu angelegt. In der Küche können die jungen Erdenbürger sich außerdem unter Anleitung in ihren Kochkünsten üben.

Ein weiteres Angebot stellt die Pflege der Robs-Tiere dar: Hasen und Meerschweinchen, die einen eigens erbauten Stall bewohnen und bei schönem Wetter mit den Kindern auf der Wiese in Auslaufgehegen herumtollen können. Katzen und zwei Schweinchen  und ein Fischteich mit zusätzlichen Fröschen bereichern das Leben auf dem Platz. 

Ganz besonders beliebt sind die in den Sommerferien stattfindenden „Aktionswochen" zu einem bestimmten Thema. In den letzten Jahren konnten die Kinder die Welt der Indianer, Piraten, der alten Römer, des Zirkusses, der Wikinger, oder der Ritter kennen lernen.

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Sozialgesetzbuch (SGB) Achtes Buch (VIII) Kinder- und Jugendhilfe

§ 8a Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung

(1) Werden dem Jugendamt gewichtige

Anhaltspunkte für die Gefährdung des

Wohls eines Kindes oder Jugendlichen

bekannt, so hat es das Gefährdungsrisiko im

Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte

abzuschätzen. Dabei sind die

Personensorgeberechtigten sowie das Kind

oder der Jugendliche einzubeziehen, soweit

hierdurch der wirksame Schutz des Kindes

oder des Jugendlichen nicht in Frage gestellt

wird. Hält das Jugendamt zur Abwendung

der Gefährdung die Gewährung von Hilfen

für geeignet und notwendig, so hat es diese

den Personensorgeberechtigten oder den

Erziehungsberechtigten anzubieten.


(2) In Vereinbarungen mit den Trägern von

Einrichtungen und Diensten, die Leistungen

nach diesem Buch erbringen, ist

sicherzustellen, dass deren Fachkräfte den

Schutzauftrag nach Absatz 1 in entsprechender

Weise wahrnehmen und bei der Abschätzung

des Gefährdungsrisikos eine insoweit

erfahrene Fachkraft hinzuziehen. Insbesondere

ist die Verpflichtung aufzunehmen, dass die

Fachkräfte bei den Personensorgeberechtigten

oder den Erziehungsberechtigten auf die

Inanspruchnahme von Hilfen hinwirken, wenn

sie diese für erforderlich halten, und das

Jugendamt informieren, falls die

angenommenen Hilfen nicht ausreichend

erscheinen, um die Gefährdung abzuwenden.